Qualität messen

Die IQM Mitgliedskrankenhäuser haben sich auf gemeinsame Zielwerte verständigt. Wird ein Referenzwert nicht erreicht, kann dies auf mögliches Verbesserungspotential in Behandlungsabläufen oder Strukturen hinweisen. Daher dienen statistische Abweichungen von den Zielwerten der bei IQM verwendeten Indikatoren als Aufgreifkriterium, um Peer Reviews in den Mitgliedskrankenhäusern durchzuführen.

Bei einem Peer Review erfolgt die Analyse der Behandlungsabläufe und –strukturen auf tatsächliches Verbesserungspotenzial vor Ort im Krankenhaus. Die Ergebnisse bilden die Grundlage für das besuchte Krankenhaus, um zielgerichtet Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung ableiten zu können.

Neue Version G-IQI 6.0: Mehr als ein Versionsupdate

Wo G-IQI draufsteht – ist auch die aktuelle G-IQI-Methodik drin? Wie relevant diese Frage ist, zeigt die aktuelle Version 6.0. Die Zahl der Indikatoren steigt von 491 auf 618. Dahinter stehen nicht nur neue Kennzahlen, sondern relevante methodische und fachliche Veränderungen:

  • Bestehende Qualitätsaussagen verändern sich: Bei altersstratifizierten Unter-indikatoren entfallen Erwartungswerte. Hüftgelenknahe Frakturen werden neu zusammengeführt. Bei der Beatmungs-mortalität wechselt der Zielwertindikator zurück auf die Betrachtung der Beatmung über 24 Stunden einschließlich COVID 19. Bestehende Kennzahlen bei Koronar-interventionen und Schlaganfall werden zu Zielwertindikatoren und fließen damit neu in Ampelbewertung und Zielerreichungsgrad ein.

  • Neue klinische Perspektiven kommen hinzu: Sechs neue Kennzahlen zu Kolon- und Rektumresektionen fokussieren Indikation und Komplikationen. Der Bereich Sepsis wird um spezielle Infektionen erweitert. Gleichzeitig werden die Sepsis-Definitionen weitgehend mit dem IQTIG-Verfahren harmonisiert. Die G-IQI verfolgen dabei bewusst einen umfassenderen Ansatz, um im Rahmen des Peer Reviews eine vertiefte Analyse der Versorgungsqualität zu ermöglichen. 

  • Zielwerte wurden angepasst. Die Anzahl der von IQM definierten Zielwerte ist auf 45 gestiegen. Dabei sind 2 neue Zielwerte aufgenommen worden [03.131Therapeutischer Katheter der Koronargefäße OHNE HD Herzinfarkt (ohne Zuverlegungen oder Herz-Kreislauf-Stillstand vor KH-Aufnahme, ohne Herzoperation, Alter >=20), Anteil Todesfälle und 10.41Hauptdiagnose Hirninfarkt oder TIA OHNE Zuverlegungen (Alter >=20), Anteil Fälle mit neurolog. oder anderer Komplexbehandlung (in Anlehnung an ADSR)], weitere Zielwerte sind entfallen oder wurden aufgrund der Spezifikationsänderung im Vergleich zur Version 5.5 angepasst [G-IQI/CH-IQI 6.0 Indikator 19.1/19.11, 46.2/46.1, 56.3/56.1].

  • Ambulantisierung wird sichtbar: Erstmals werden Hybrid-DRGs in den G-IQI dargestellt. 17 neue Kennzahlen weisen dort, wo es relevant ist, den „Anteil Hybrid“ aus. Damit wird sichtbar, ob die zunehmende Verlagerung von Leistungen die betrachteten Patientenpopulationen – und damit potenziell die Interpretation von Ergebnissen – verändert.

  • Bundesleistungsgruppen werden bewusst nicht mit Ergebnisqualität gleichgesetzt: Alle 75 Bundesleistungsgruppen werden als Mengeninformationen aufgenommen. Auf eine Abbildung von Ergebnisqualität innerhalb der Leistungsgruppen wird bewusst verzichtet, weil deren Patientenpopulationen mit den G-IQI-Populationen nicht ausreichend übereinstimmen.

  • Bundesreferenzwerte wurden für das Auswertungsjahr 2024 aktualisiert.

Das zeigt: G-IQI ist nicht automatisch G-IQI. Version, Definition der Patientenpopulation, Zielwert, Risikoadjustierung und Referenzwert entscheiden darüber, was eine Kennzahl tatsächlich aussagt – und wie die Ergebnisqualität eines Krankenhauses bewertet wird. Unterschiedliche methodische Grundlagen können dabei zu erheblich abweichenden Qualitätsbewertungen führen.

Was Sie zur Transparenz der Ergebnisqualität beitragen können

Auf die aktuelle Spezifikation und die passenden Referenzwerte achten:

Prüfen Sie, ob die jeweils aktuelle G-IQI-Spezifikation vollständig und methodisch korrekt umgesetzt ist. Dazu gehören neben den Indikatordefinitionen insbesondere auch die zugehörigen Bundesreferenzwerte, Erwartungswerte und Zielwerte. 

Auf vergleichbare Qualitätsbewertungen achten:

Die G-IQI werden kontinuierlich weiterentwickelt. Werden in Softwarelösungen oder Benchmark-Auswertungen jedoch ältere Versionen oder nicht aktualisierte Referenz- und Erwartungswerte verwendet, kann dies zu einer falsch besseren oder schlechteren Bewertung führen. In der Folge bleibt möglicher Verbesserungsbedarf unter Umständen unerkannt bzw. werden Probleme angezeigt, wo gar keine sind. Nur wenn Berechnungs- und Bewertungsgrundlagen übereinstimmen, lassen sich Zielwerte und Zielerreichungsgrade sinnvoll und fair vergleichen.

Qualität der Berechnungsumsetzung hinterfragen:

Mit Unterstützung unseres Kooperationspartners, der Solventum Germany GmbH, wird ab 2027 die Möglichkeit einer freiwilligen Zertifizierung für Softwareanbieter eingerichtet. Sie schafft zusätzliche Transparenz darüber, ob die technische Umsetzung der G-IQI mit der zugrunde liegenden Spezifikation übereinstimmt. Sprechen Sie Ihren Softwareanbieter gerne darauf an.

Qualitätsindikatoren: Verbesserungspotential identifizieren

Die IQM Mitgliedskrankenhäuser und -spitäler nutzen Ergebnisindikatoren, die aus Routinedaten berechnet werden. Die Inpatient Quality Indicators (IQI) lassen sich aus den Abrechnungsdaten der Krankenhäuser (§21 KHEntgG Datensatz in Deutschland und BFS/SpiGes Datensatz der Schweiz) und den darin enthaltenen medizinischen Informationen zu Diagnosen und durchgeführten Prozeduren (ICD‐10, OPS und CHOP) ermitteln.

Länderadaptierte Versionen liegen für Deutschland (G-IQI), die Schweiz (CH-IQI) und Österreich (A-IQI) vor. IQM nutzt die G-IQI sowie die CH-IQI für die indikationsspezifische Abbildung des Leistungsgeschehens. Derzeit werden in der Version der G-IQI/CH-IQI 5.5 Datenjahr 2025 über 500 Ergebnis-, Mengen- und Verfahrenskennzahlen zu mehr als 65 relevanten Krankheitsbildern und Behandlungen abgebildet.

Weiterentwicklung der Indikatoren

Voraussetzung für ein wirksames Qualitätsmanagement, das auf die kontinuierliche Verbesserung der medizinischen Ergebnis- und Behandlungsqualität im Krankenhaus abzielt, ist die Kenntnis der eigenen Stärken und Schwächen. Hierzu dienen regelmäßige ergebnisorientierte, belastbare und aussagekräftige Qualitätsmessungen.

Die Arbeitsgruppe "Weiterentwicklung Indikatoren" entwickelt die G-IQI kontinuierlich unter Mitwirkung der IQM Mitglieder, Fachgesellschaften und dem Bundesamt für Gesundheit der Schweiz (BAG) weiter. Ideen aus den Mitgliedskrankenhäusern sind zur Weiterentwicklung der Indikatoren besonders wertvoll. Vorschläge für neue Indikatoren oder für notwendige Anpassungen bereits bestehender Indikatoren, nimmt die Arbeitsgruppe entgegen und prüft diese auf Zielsetzung und Umsetzbarkeit. Das Vorschlagswesen wird über ein standardisiertes Formular organisiert. Dieses und weitere Informationen zur Einreichung von Vorschlägen zur Neu- und Weiterentwicklung der Qualitätsindikatoren finden Sie im Mitgliederbereich.

 

Qualitätsmessung auf Basis von Routinedaten

Jede Leistung im Krankenhaus wird im Rahmen des DRG-Fallpauschalensystems fallbezogen kodiert und diagnostisch und prozedurenbezogen (ICD- und OPS-Codes) abgebildet. Die Qualitätsmessung über Indikatoren auf Basis von Routinedaten ist sehr effizient, da kein zusätzlicher Dokumentationsaufwand in den Krankenhäusern entsteht, und zudem objektiv, da leicht überprüfbar. Die Ergebnisse ermöglichen dem Krankenhaus, Verbesserungspotenziale zu identifizieren.

Neben den G-IQI werten die deutschen IQM Krankenhäuser zusätzlich die Patient Safety Indicators (PSI) aus. Die Berechnung der PSI-Ergebnisse erfolgt ebenfalls über den Kooperationspartner Solventum. Die dazu notwendige Adaption der amerikanischen Indikatorspezifikationen der AHRQ an die Deutschen Klassifikationen erfolgt in enger Kooperation mit der Hochschule Niederrhein, Fachbereich Gesundheitswesen.

Sektorenübergreifende Qualitätsmessung (QSR)

Die Sektorenübergreifende Qualitätsmessung QSR wird vom Wissenschaftlichen Institut der AOK (WidO) entwickelt und durchgeführt. QSR steht für Qualitätssicherung mit Routinedaten. IQM ist Kooperationspartner des WIdO für das Verfahren der sektorenübergreifenden Qualitätsmessung und stellt den IQM Mitgliedern die Ergebnisse einmal im Jahr zur Verfügung. Der zentrale Vorteil von QSR gegenüber anderen Qualitätsmessungsverfahren besteht darin, dass auch Ereignisse im Anschluss an den Krankenhausaufenthalt innerhalb eines bestimmten Zeitraums in die Messung einfließen (z.B. ungeplante Folgeoperationen oder Komplikationen). Im AOK Gesundheits-Navigator werden QSR-Ergebnisse durch die AOK für die öffentliche Berichterstattung abgebildet.