Patientenperspektive – Erfahrungen systematisch nutzbar machen
Wie erleben Patientinnen und Patienten ihre Behandlung im Krankenhaus? Und wie können diese Erfahrungen konkret zur Verbesserung der Versorgungsqualität beitragen?
Mit dem Pilotprojekt Patientenperspektive ergänzt IQM seine bewährten Qualitätsinstrumente um die systematische Erhebung von Patientenerfahrungen (Patient-Reported Experience Measures, PREMs). Ziel ist es, nicht nur ein allgemeines Zufriedenheitsbild zu erfassen, sondern konkrete Hinweise auf die Qualität von Behandlungsprozessen, Kommunikation und Einbindung der Patientinnen und Patienten zu gewinnen.
Vom Stimmungsbild zur messbaren Erfahrung
Klassische Zufriedenheitsbefragungen liefern häufig ein übergeordnetes Meinungsbild. PREMs hingegen erfassen, was Patientinnen und Patienten tatsächlich erlebt haben:
- Wie verständlich waren Informationen?
- Wurden sie in Entscheidungen einbezogen?
- Wie wurde mit ihren Sorgen und Fragen umgegangen?
- Wie gut waren Abläufe und Organisation strukturiert?
Diese konkreten Erfahrungswerte ermöglichen eine gezielte Weiterentwicklung der Versorgungsprozesse.
Wissenschaftlich fundiertes Instrument: EPAT-16
Für das IQM-Pilotprojekt wurde der Fragebogen EPAT-16 (Experienced Patient-Centeredness Questionnaire)ausgewählt. Das Instrument wurde am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf entwickelt und in einem mehrstufigen wissenschaftlichen Verfahren validiert – unter Einbezug von Patientinnen und Patienten sowie klinischer und wissenschaftlicher Expertise.
Der EPAT-16 erfasst 16 zentrale Dimensionen patientenzentrierter Versorgung und eignet sich durch seine kompakte Form besonders für den kontinuierlichen Einsatz im stationären Bereich. Er ist lizenzkostenfrei nutzbar.
Vergleich und Lernen im Netzwerk
Ein besonderer Mehrwert des Projekts: der IQM-interne Benchmark:
Teilnehmende Krankenhäuser erhalten nicht nur Rückmeldungen zu ihren eigenen Ergebnissen, sondern können diese auch strukturiert mit anderen Einrichtungen vergleichen. Eine speziell entwickelte Zuordnungslogik stellt sicher, dass unterschiedliche Fachabteilungsstrukturen zwischen Krankenhäusern vergleichbar bleiben. So entsteht eine belastbare Grundlage für gegenseitiges Lernen und gezielte Qualitätsverbesserung.
Nachhaltigkeit
Schätzungsweise 85 % der IQM-Mitgliedskrankenhäuser werden in den kommenden Jahren der Pflicht zur Nachhaltigkeitsberichterstattung unterliegen oder berichten bereits. Als großes Netzwerk leistet IQM einen relevanten Beitrag zur Weiterentwicklung von Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen. Vor diesem Hintergrund hat die IQM-Mitgliederversammlung 2022 das Pilotprojekt Nachhaltigkeit beschlossen.
Ziel des Projekts ist es, eine datenbasierte, praxisnahe und belastbare Methodik für einen vergleichbaren Nachhaltigkeitsbenchmark im IQM-Netzwerk zu entwickeln. Dabei werden ökologische, soziale und unternehmerische Kriterien berücksichtigt.
Nach einem erfolgreichen Pretest Anfang 2025 wurden die Ergebnisse ausgewertet und die Datengrundlage gezielt weiterentwickelt. Für künftige Erhebungen stehen nun klar definierte Bezugsgrößen im Fokus: Belegungstage (operativ und konservativ), Mitarbeitenden-Vollzeitäquivalente (VZÄ) sowie die Bruttobetriebsfläche. Weniger aussagekräftige Parameter wie Bettenzahl, Fallzahlen und Umsatz wurden gestrichen. Gleichzeitig wurde die Auswertungslogik gestrafft, um die Vergleichbarkeit und praktische Nutzbarkeit der Ergebnisse zu erhöhen.
Weitere Informationen zum Vorgehen und zum aktuellen Arbeitsstand des Projekts unter Leitung von Christian Dreißigacker finden IQM-Mitglieder im Mitgliederbereich. Die nächste Datenerhebung startet im Juli 2026 (Datenjahr 2025). Interessierte Krankenhäuser sind eingeladen, sich am Pilotprojekt zu beteiligen und die Entwicklung eines gemeinsamen Nachhaltigkeitsbenchmarks aktiv mitzugestalten. >Anmeldung hier
PROM (Patient-Reported Outcome Measures)
Der Einsatz von Patient-Reported Outcome Measures (PROM) dient in erster Linie der stärkeren Patientenzentrierung in der Qualitätsmessung. Krankenhäuser geben ihren Patient:innen die Möglichkeit, ein direktes krankheitsbezogenes Feedback zurückzumelden. Wie ist es ihnen nach der Behandlung oder einem operativen Eingriff ergangen und wie hat sich über einen festgelegten Zeitraum ihr Gesundheitszustands verbessert.
Eine Bedarfsanalyse unter den IQM Mitgliedern hat 2019 gezeigt, dass ein Großteil der Krankenhäuser am Einsatz von PROM interessiert ist. IQM hat seither das Pilotprojekt unter freiwilliger Beteiligung von 170 Krankenhäusern aufgesetzt und unterstützt die Mitglieder bei der Auswahl geeigneter Instrumente zur Erfassung und Implementierung.
Risikoadjustierung
Ein Vergleich von Behandlungsergebnissen und medizinischen Leistungen in Krankenhäusern gewinnt zunehmend an Bedeutung, nicht zuletzt in den Medien. In diesem Zusammenhang muss jedoch auch diskutiert werden, wie viel solche Vergleiche tatsächlich über die Qualität eines Krankenhauses aussagen können und inwieweit die unterschiedliche Schwere der Erkrankung der behandelten Patient:innen bei den Vergleichen berücksichtigt werden muss und kann. IQM hat sich in seinem Pilotprojekt Risikoadjustierung der Frage zugewandt, mit welchem Effekt und Nutzen die bei IQM verwendeten Indikatoren einer weitergehenden Risikoadjustierung unterzogen werden können. Im Juni 2021 wurde eine Publikation in der Wissenschaftlichen Fachzeitschrift Zeitschrift für Evidenz, Fortbildung und Qualität im Gesundheitswesen (ZEFQ) unter dem Titel „Möglichkeiten und Grenzen der Risikoadjustierung von Qualitätsindikatoren aus Krankenhausabrechnungsdaten - ein Werkstattbericht“ veröffentlicht. Im Jahr 2023 wurde das Pilotprojekt erfolgreich abgeschlossen und die Weiterentwicklung und Überprüfung der Risikomodelle in die regelhafte methodische Arbeit des Fachausschusses Indikatoren überführt.