FAQ - Peer Reviews

Was ist ein IQM Peer Review?

Das IQM Peer Review ist ein originär ärztliches und freiwilliges Verfahren. Es ist ein auf den kollegialen Austausch fokussiertes Instrument der Qua­litätssicherung. Klinisch tätige Ärzte und Pflegefachkräfte analysieren mit den Kollegen vor Ort anhand retrospek­tiver Fallakten Prozesse und Strukturen auf mögliche Optimierungspotenziale. Kernstück des Reviews bei IQM ist die kollegiale Falldiskussion des Peerteams auf Augenhö­he mit dem Behandlerteam vor Ort. Die IQM Peers werden nach dem Curriculum „Ärztliches Peer Review“ der Bundesärztekammer geschult.

 

Was sind die Ziele des IQM Peer Reviews?

  • Analyse der Abläufe und Strukturen bei statistischen Auffälligkeiten der G-IQI
  • Anstoßen eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses
  • Identifikation von Verbesserungspotenzial und Erarbeitung von Lösungsvorschlägen
  • Voneinander lernen und Hilfe zur Selbsthilfe

 

Wer sind die Peers?

IQM Peers sind Chefärzte und Pflegefachpersonen, die mit den Abläufen in einer Klinik bes­tens vertraut und anerkannte Experten ihres jeweiligen Fachgebietes sind. Sie unterstüt­zen chefärztliche und pflegerisch tätige Kolleginnen und Kollegen aus anderen IQM Mitgliedskrankenhäusern dabei, die medizinische Behandlungsqualität weiter zu verbessern.

 

Was sind die Auswahlkriterien für ein Peer Review?

Die jährliche Festlegung der Auswahlkriterien erfolgt durch die Lenkungsgruppe Peer Review. Dies kann z.B. eine statistische Auffälligkeit (z.B. SMR/Ratio über dem Zielwert) sein.

 

Wie werden die Peers auf die Reviews vorbereitet?

Jeder IQM Peer durchläuft eine 1,5-tägige Schulung und absolviert im Anschluss zwei Pro­be-Reviews. Die Schulung erfolgt nach dem Curriculum „Ärztliches Peer Review“ der Bun­desärztekammer.

 

Nach welchen Kriterien werden die Behandlungsabläufe analysiert?

  • Diagnostik adäquat und zeitgerecht?
  • Behandlung adäquat und zeitgerecht?
  • Behandlungsprozess zielführend und zeitnah kritisch hinterfragt?
  • Indikation zur OP / Intervention / Intensivtherapie inhaltlich angemessen und rechtzeitig?
  • Komplikationsmanagement medizinisch korrekt?
  • Allgemeine Behandlungsleitlinien berücksichtigt?
  • Interne Standards angewendet?
  • Dokumentation umfassend und schlüssig?
  • Interdisziplinäre Zusammenarbeit reibungslos?
  • Kontrollen der Behandlungsverläufe durch CA/OA erfolgt und dokumentiert?
  • Kommunikation innerhalb der Abteilung umfassend?
  • Kommunikation mit der Pflege umfassend?
  • Angehörige zeitnah informiert?

 

Wie hoch sind die festgestellten Verbesserungspotenziale in Prozent?

Je nach untersuchtem Indikator und besuchtem Krankenhaus werden in 20 bis 80% der durchgeschauten Akten Verbesserungsmöglichkeiten gefunden.

 

Welche Krankheitsbilder wurden bisher im Peer Review Verfahren berücksichtigt?

Herzinfarkt, Herzinsuffizienz, Herzoperationen, Schlaganfall, Hirninfarkt, Pneumonie, COPD, Erkrankungen von Dick- und Enddarm, Magenoperationen, Eingriffe an der Speise­röhre und Bauchspeicheldrüse, Entfernung der Gallenblase bei Gallensteinen, Entfernung der Niere, Eingriffe an der Harnblase, Entfernung der Prostata, Schenkelhalsfraktur, Pertrochantäre Fraktur, Hüftgelenkersatz, Beatmung > 24 Stunden und Sepsis.

 

Wer ist für die Auswahl der Peer Reviews zuständig?

Die Kliniken, bei denen ein Peer Review Verfahren durchgeführt wird, werden durch die Lenkungsgruppe Peer Review ausgewählt. Der Fachausschuss Peer Review verabschiedet die Auswahl.

 

Wie laufen die Peer Reviews ab?

In der Vorbereitungsphase werden die Kliniken/Abteilungen anhand der Qualitätsergebnisse ausgewählt und die Kliniken informiert. Es werden die Falllisten der zu analysierenden Akten erstellt und ein interdisziplinäres, interprofessionelles und trägerübergreifender Peerteam zusammengestellt. Es folgt die Festlegung des Termins durch den Teamleiter in Absprache mit seinem Peerteam und der zu besuchenden Klinik, die vor dem Peer Review ein Selbstreview der ausgewählten Akten vornimmt.

Am Tag des Peer Reviews erfolgt nach der Begrüßung und Vorstellung der Peers die Aktenanalyse zur Bewertung der Behandlungsqualität, anschließend die Kollegiale Diskussion aller Fälle mit den Kollegen und dann die Information der Ärztlichen Direktion/Geschäftsführung in einem Abschlussgespräch.

In der Nachbereitungsphase erstellt der Teamleiter das Peer Review Protokoll mit einem besonderen Augenmerk auf die diskutierten und verabredeten Verbesserungsmaßnahmen, einem Zeitplan zur Umsetzung und Verantwortlichkeiten.

 

Welches sind typische Lösungsvorschläge der Peers zur Verbesserung?

  • Überprüfung der leitlinienorientierten Diagnostik und Therapie
  • Überprüfung mikrobiologische Diagnostik und Antibiotikatherapie (Standards)
  • Fokussierung der Komplikations-/Sepsis Früherkennung
  • Verbesserung der interdisziplinären Kommunikation zwischen Abteilungen
  • Erarbeitung interdisziplinärer Behandlungskonzepte

Sowie viele andere, im Einzelnen schwer vorhersehbare und mit Prozess-Kennzahlen kaum kontrollierbare, diagnostische und/oder therapeutische Aspekte, die nur aufgrund dieser umfassenden Analyse des Gesamtprozesses überhaupt erst auffallen.

 

Wer ist für die Umsetzung der Maßnahmen verantwortlich?

Verantwortlich sind der Chefarzt der besuchten Klinik sowie die Krankenhausleitung.

 

Wie wird der Schutz der Patientendaten sichergestellt?

Die Datenschutzrechte der Patienten werden über die jeweiligen Landesdatenschutzgesetze geregelt. Diese korrekt anzuwenden, liegt in der Verantwortung der Kliniken. Vor je­dem Peer Review lässt sich IQM die korrekte Anonymisierung der Patientendaten, die wäh­rend der Peer Reviews genutzt werden, schriftlich von der Klinik bestätigen. Außerdem unterschreibt jeder Peer für jedes Peer Review eine Vertraulichkeitserklärung und unter­liegt generell der ärztlichen Schweigepflicht.