IQM Initiative Qualitätsmedizin

„Routinedaten sind ein Königsweg der medizinischen Qualitätssicherung“ Prof. Dr. med. Dr. h .c.
Peter C. Scriba,
Präsident des Wissenschaftlichen Beirates der Initiative Qualitätsmedizin

Peer Review

Behandlungsabläufe und Strukturen der Patientenversorgung kontinuierlich verbessern

Wird bei einem Qualitätsindikator ein auffälliges Ergebnis gemessen, erfordert dies weitere Analysen und Maßnahmen. Als erstes muss geprüft werden, ob die Auffälligkeit auf ein echtes Qualitätsproblem zurückzuführen ist. Liegt ein Qualitätsproblem vor, müssen konkrete Verbesserungsvorschläge erarbeitet und entsprechende Maßnahmen aktiv umgesetzt werden.

Ziele und Grundsätze

Das Peer-Review-Verfahren von IQM ist ein originär ärztliches und freiwilliges Verfahren. Es ist ein unbürokratisches und auf den kollegialen Austausch fokussiertes Instrument der ärztlichen Qualitätssicherung. Die IQM-Mitgliedskrankenhäuser verfügen mit dem IQM Peer–Review-Verfahren über ein effektives Instrument zur Analyse und Verbesserung komplexer medizinischer Behandlungsprozesse. Die IQM Peer-Review-Verfahren finden - bisher einmalig in Deutschland - interdisziplinär und trägerübergreifend statt. Ziel des IQM Peer-Review-Verfahrens ist es, einen kontinuierlichen internen Verbesserungsprozess und eine offene Fehler- und Sicherheitskultur in den teilnehmenden Kliniken zu etablieren sowie die interdisziplinäre Zusammenarbeit zu fördern. Dazu werden Behandlungsprozesse mit auffälligen Ergebnissen auf mögliche Fehler in den Abläufen, Strukturen und Schnittstellen hin untersucht. Die identifizierten Qualitätsprobleme dienen anschließend als Grundlage für zielgenaue Maßnahmen zur Verbesserung der medizinischen Behandlungsqualität.

Die Peer-Review-Verfahren bei IQM beruhen daher auf vier wesentlichen Grundsätzen:

  • Hilfe zur Selbsthilfe
  • Betroffene zu Beteiligten machen
  • Kollegiale Unterstützung auf Augenhöhe
  • Voneinander lernen

IQM-Peers

Derzeit sind über 200 Chefärzte bei IQM als Peers tätig. IQM-Peers sind ausschließlich Chefärzte einer Abteilung, die als anerkannte Fachexperten ihres jeweiligen Fachgebietes gleichzeitig auch mit den Abläufen in einer Klinik bestens vertraut sind. Wichtiges Kriterium für die Tätigkeit als Peer ist die Fähigkeit zum kollegialen Dialog mit dem Chefarzt der besuchten Abteilung. Die IQM-Peers haben im Jahr 2012 69 Peer Reviews in Krankenhäusern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz durchgeführt (2011: 42 Reviews, 2010: 21 Reviews).

Ablauf

  1. Die Auswahl der Reviews bei IQM erfolgt zentral und stützt sich auf die Ergebnisse der verwendeten Qualitätsindikatoren. Ein IQM Peer-Review-Verfahren wird z.B. dann durchgeführt, wenn das gemessene Ergebnis deutlich über dem Zielwert liegt. Für das Review werden Behandlungsfälle ausgewählt, die zu dem auffälligen Qualitätsergebnis geführt haben.
  2. Zunächst erfolgt ein Selbstreview, das der vor Ort verantwortliche Chefarzt mit seinem Team anhand einer retrospektiven Behandlungsaktenanalyse durchführt.
    Anschließend untersuchen die Peers vor Ort die gleichen Behandlungsfälle konstruktiv-kritisch. Diese Aktenanalyse folgt einer klar festgelegten Vorgehensweise mit einheitlichen Analysekriterien.
  3. Die Aktenanalyse ist auf 20 Akten begrenzt und nimmt in der Regel vier Stunden in Anspruch.
  4. Die anschließende Falldiskussion zwischen den Peers und dem verantwortlichen Chefarzt und seiner Abteilung ist das Kernstück des Reviews. Hierfür sind noch einmal drei bis vier Stunden einzuplanen. Diese Diskussion auf Augenhöhe bringt den größten Nutzen für die besuchte Klinik. Ihr Verlauf entscheidet über die Akzeptanz und Wirksamkeit des Verfahrens. Ergebnisse des Reviews sind identifizierte Qualitätsprobleme sowie konkrete Lösungsvorschläge zu deren Vermeidung. Lösungsvorschläge beziehen sich in erster Linie auf interdisziplinäre Schnittstellen, Standards, Leitlinien, Dokumentation und Abläufe.
  5. Die Ergebnisse werden abschließend gemeinsam mit dem Ärztlichen Direktor und dem Geschäftsführer besprochen.
  6. Die Verantwortung für die Umsetzung der Lösungsvorschläge liegt beim Chefarzt vor Ort. Die Unterstützung und Kontrolle der Umsetzung obliegt dem Ärztlichen Direktor und der Geschäftsführung des jeweiligen Krankenhauses.

Unterstützung durch die Bundesärztekammer

Die Bundesärztekammer hat die IQM Peer-Review-Verfahren von Anfang an mit eigenen Experten begleitet. Nach erfolgter Evaluation des Verfahrens hat die Bundesärztekammer 2011 das Fortbildungscurriculum "Ärztliches Peer Review" eingeführt. Seit dem werden die IQM-Peers in Kooperation mit der Ärztekammer Berlin ausgebildet. Jeder IQM-Peer erhält für die Teilnahme an der Fortbildung 32 CME-Punkte. Zusätzliche CME-Punkte gibt es jeweils für die Teilnahme an einem Peer-Review.

Downloads:

Jahrbuch Qualitätsmedizin 2010: Peer Review - wie wir Qualität verbessern lernen

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Jahrbuch Qualitätsmedizin 2011: Peer Review - eine Fallstudie und eigene Erfahrungen

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Jahrbuch Qualitätsmedizin 2012: Peer Review | Fallsammlung typischer Fehler und Probleme

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