IQM Initiative Qualitätsmedizin

„Routinedaten sind ein Königsweg der medizinischen Qualitätssicherung“ Prof. Dr. med. Dr. h .c.
Peter C. Scriba,
Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirates bei IQM

Initiative Qualitätsmedizin (IQM) steht für Transparenz und offene Fehlerkultur in der Medizin

Sechs führende Krankenhausträger haben sich zur "Initiative Qualitätsmedizin" (IQM) zusammen geschlossen. Die Initiative besteht deutschlandweit und ist offen für alle Trägergruppen. Gründungsinitiatoren sind die HELIOS Kliniken, das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, die SRH Kliniken, die Malteser, die Johanniter GmbH und das Unfallkrankenhaus Berlin (ukb). Die Ärztekammer Berlin plant, die Initiative im Rahmen von extern begleiteten Peer Reviews als Kooperationspartner zu unterstützen.

Mit IQM verfolgen die Initiatoren trägergruppenübergreifend ein gemeinsames Ziel: Die Sicherung bester Qualität in der Medizin. Erstmals in Deutschland gibt es damit eine trägerübergreifende Initiative zur Qualitätssicherung. Die Initiative geht wesentlich über die gesetzlichen Mindeststandards hinaus. Die Initiatoren verbindet eine methodisch einheitliche und wissenschaftlich begleitete Qualitätsmessung, sie verpflichten sich zur Veröffentlichung der Ergebnisse. Die Öffentlichkeit, künftig dann vor allem auch die Patienten, wird über IQM aussagekräftige und valide Informationen über die tatsächliche Qualität medizinischer Behandlungen erhalten. Die Ergebnisse basieren auf der Auswertung von Routine- also Abrechnungsdaten und gehen in Transparenz und Aussagekraft über die gesetzlich geforderten Mindeststandards hinaus. IQM wird perspektivisch über die transparente Qualitätsmessung hinaus Impulse für die Qualitätssicherung der Medizin in deutschen Krankenhäusern und im ambulanten Sektor setzen.

"Routinedaten sind ein Königsweg der medizinischen Qualitätssicherung. Behandlungserfolge oder -misserfolge lassen sich damit klar abbilden und bieten auch wichtige Anhaltspunkte in der Versorgungsforschung", so Prof. Dr. Peter Scriba, ehemaliger Direktor des Universitätsklinikums München und einer der wissenschaftlichen Initiatoren von IQM.

Die Mitglieder der Initiative verpflichten sich, in ihren insgesamt rund 100 Kliniken mit knapp 1 Million stationären Patienten drei Grundsätze anzuwenden: Qualitätsmessung mit Routinedaten, Veröffentlichung der Ergebnisse auf einer trägerübergreifenden Plattform und die Durchführung von "Peer Review Verfahren". Bei den Peer Reviews werden Behandlungsprozesse mit auffälligen Ergebnissen von internen und externen "Peers", also ärztlichen Fachkollegen, auf mögliche Fehler in den Ergebnissen, Abläufen und Strukturen hin anhand der konkreten Fälle untersucht, analysiert und anschließend konsequent verbessert. Diese Peer Reviews sollen auch mit externer Begleitung, geplant ist eine Kooperation mit der Ärztekammer, durchgeführt werden.

"Eine offene Fehlerkultur braucht Kritikfähigkeit, Selbstbewusstsein und Mut. IQM ist ein Club der Mutigen", sagte der Vorsitzende der HELIOS Geschäftsführung, Dr. Francesco De Meo bei der Vorstellung der neuen Initiative in Berlin. Die Mitglieder der Initiative verbinde der Mut zum transparenten Qualitätsmanagement und der Wille zu einer offenen Fehlerkultur in der Medizin. "Diese beiden Faktoren sind entscheidend für die Qualität in der Medizin. Alle Mutigen sind daher eingeladen, sich einzubringen und bei IQM mit zu machen.", betonte De Meo. "Wir möchten die Kräfte und Ideen trägerübergreifend bündeln und - gerne unter Einbindung anderer Institutionen - einen Konsens zur methodischen Basis für die Qualitätssicherung herstellen." Für den Patienten zähle am Ende allein die Frage: 'Ist das nun ein gutes oder weniger gutes Krankenhaus?', unabhängig von dessen Trägerzuordnung.

Die Mitglieder der in einem Verein organisierten Initiative erhalten Unterstützung bei der Einführung eines Qualitätsmanagementsystems auf Grundlage von Routinedaten. Die Fördermittel für IQM sowie die wissenschaftliche Begleitung der gemeinsamen Definition von Qualitätsparametern sind durch eine gemeinnützige Stiftung sicher gestellt.

"Die systematische Befassung mit dem Thema Qualitätssicherung in einer übergreifenden Plattform durch die 'Initiative Qualitätsmedizin' ist sehr zu begrüßen. Die HELIOS Kliniken Gruppe hat in der Vergangenheit mehrfach bewiesen, dass sie die Thematik ernst nimmt. Der Ansatz, Routinedaten als Grundlage für die Qualitätssicherung zu verwenden, ist durchaus sinnvoll. Aber aus meiner Sicht ist nicht das Verfahren entscheidend, sondern dessen richtige Anwendung. Deshalb stehen wir in Verhandlungen, wie die Ärztekammer Berlin als Kooperationspartner mit fachkundigem Rat zur Verfügung stehen wird, dieses Ziel zu erreichen", sagte der Präsident der Ärztekammer Berlin, Dr. Günther Jonitz, bei der Vorstellung der Initiative.

"Die Transparenz in der Qualität medizinischer Leistungen soll einen Gegenpol zur allgegenwärtigen Kostendiskussion setzen und so der eigentliche Gradmesser werden", so der Mitgründer der Initiative und Geschäftsführer der SRH Kliniken GmbH, Dr. Michael Almeling. "Die SRH-Kliniken möchten dazu beitragen, dass über eine offene Kommunikation mit Patienten und Kostenträgern sowie über eine vertrauensvolle Fehlerkultur mit den Leistungserbringern das Bekenntnis zu Qualität in der Medizin den notwendigen Stellenwert bekommt", sagte Almeling.

"Qualitätsmanagement nimmt in den rein arbeitgeberseitig finanzierten BG-Kliniken einen hohen Stellenwert ein. Insofern ist die Teilnahme am Qualitätswettbewerb für uns selbstverständlich. HELIOS kann man nur dazu gratulieren, Fakten geschaffen zu haben, die andere mitreißen", sagte Prof. Dr. Axel Ekkernkamp, Ärztlicher Direktor und Geschäftsführer des Unfallkrankenhauses Berlin, der sich seit rund 20 Jahren mit der Qualitätssicherung im Krankenhaus, speziell in der Chirurgie, beschäftigt. "Die Initiative IQM, über die Trägergrenzen hinaus, wird schon bald zum Leuchtturmprojekt werden, an dem sich alle anderen zu messen haben", so Ekkernkamp.

"Die Patienten haben ein Recht auf klare Aussagen zur Qualität von Krankenhäusern. Bereits heute arbeiten wir in den Malteser Krankenhäusern systematisch an unserer medizinischen Ergebnisqualität. IQM ist für uns ein folgerichtiger Schritt auf dem Weg zu noch mehr Transparenz. Wir freuen uns, als Gründungmitglied diese Initiative an den Start zu bringen", begrüßte  der Vorsitzende der Geschäftsführung der Malteser Trägergesellschaft, Karl Prinz zu Löwenstein, die neue Initiative.

Sitz von IQM ist Berlin. Die offizielle Gründungsveranstaltung und Konstituierung des Vorstandes wird am 16. September 2008 in Potsdam im Rahmen eines QMR-Kongresses stattfinden.

Das deutsche Fallpauschalensystem bietet die Möglichkeit, weitreichende Qualitätsinformationen aus den Abrechnungsdaten der Kliniken abzuleiten: Jede Leistung im Krankenhaus wird im Zuge der Abrechnung kodiert und in sog. ICD (International Classification of Diseases) bzw. OPS (Operationen- und Prozedurenschlüssel) abgebildet. Diese Routinedaten werden von den Kostenträgern überprüft, erfassen jeden behandelten Patienten und sind kurzfristig verfügbar. Die Qualitätsmessung über Qualitätsindikatoren auf Basis von Routinedaten bedeutet deshalb hohe Effizienz (kein zusätzlicher Dokumentationsaufwand in den Kliniken) und Objektivität (leichte Überprüfbarkeit). 

Kontakt:
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